Schön blöd.

Jahatderkleineschatzstinkistinkigemacht? Jahatdasschätzelchenwehambauchibauchi? Jagehenwirschlafischlafi? Diminutiv und Fragesätze in der dritten Person sind aktuell meine besten Freunde. Die Freunde von früher haben sich wohlweislich von mir distanziert – ich kann es ihnen nicht verüblen, habe ich mich doch in die schlimmste Form einer Frau verwandelt; in die komplett verzückte Mutter eines Neugeborenen. So wollte ich nie werden, ich schwör’s, aber die Hormone machen mich zu einer dieser verblödeten Mutterkühe, wie ich sie früher immer zutiefst verabscheut habe.
Neben der mangelnden sprachlichen Ausdruckskraft habe ich mir auch eine erhöhte Stimmlage antrainiert. Und dann wäre da noch dieser klitzekleine, niedliche Schplachfehler, den ich mir extra für meinen Sohn zugelegt habe und den ich sogar schamlos in der Öffentlichkeit anwende. Es ist eine Tatsache: Ich bin nicht mehr ich, aber ich kann daran nichts ändern. Ich rede nur noch über Babys Darmtätigkeiten und bin mir nicht zu schade, das Kind sogar mit aufs Klo zum Scheissen zu nehmen, nur damit ich es im Blick habe und falls nötig beruhigen kann. Nötig ist es verständlicherweise meistens; wer will schon seiner Mutter beim Kacken zusehen?!
Eins ist klar: Wer seit Wochen rund um die Uhr mit einem Baby zusammen ist, degeneriert. Aber worüber soll ich mit dem Kleinen auch diskutieren? Über die Gegenoffensive in Aleppo? Die Erhöhung der Krankenkassenprämien oder den sofortigen Atomausstieg? Ich bin schon stolz, dass ich es bisher jeden Tag unter die Dusche geschafft habe, dass meine Haare gemacht und meine Nägel lackiert sind – leidlich zwar, denn trotz schnelltrocknendem Nagellack ist es eine Kunst, neben einem Baby seine frisch lackierten Nägel vollends trocknen zu lassen – aber immerhin.
Nichts desto trotz bin ich nun das beschränkte Säugetier, das ich nie werden wollte. Und erstaunlicherweise liebe ich es! Denn – wer hätt’s gedacht – ich habe zusammen mit dem werten Papa den süssesten und intelligentesten Glatzkopf der Welt erschaffen. Tränen der Rührung laufen über meine Wangen, wenn er mich angrinst. Panik macht sich breit, wenn er zwei Stunden lang schläft ohne Gebrüll. Meine Liebe zu diesem erstaunlichen Wesen ist grenzenlos und ich möchte es den ganzen Tag liebkosen. Deshalb bitte ich euch, liebe Freunde: Seid nachsichtig mit mir. Vergesst mich nicht ganz. Mein altes Ich kommt wieder, sobald ich abgestillt habe und mich die fehlenden Hormone zur altbekannten, zynischen Schnapsdrossel machen, die ich früher war. I’ll be back.
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Dieser Beitrag wurde am 29. Oktober 2016 um 15:06 veröffentlicht. Er wurde unter Babykram abgelegt und ist mit , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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