V8-Baby

«Heute geh ich einen Handstaubsauger kaufen» sagte ich gestern zu meinem Liebsten und warf damit all meine Vorsätze über Bord, niemals nie in meinem ganzen Leben nicht keinen Handstaubsauger zu kaufen, weil kein einziges dieser stillosen Geräte meinen optischen Anforderungen an Produktedesign entspricht und ich daher beim besten Willen keinen Platz für einen Handstaubsauger in meinem Wohnkonzept freiräumen kann. Und sowieso sind Handstaubsauger nur etwas für totale Spiesser – wer braucht denn sowas, also ich doch nun wirklich nicht.
«Ich halte es ohne Handstaubsauger nicht mehr aus», fuhr ich fort, «mehrmals täglich krieche ich mit Schüfeli und Bäseli und feuchtem Lappen unter dem Tisch und zwischen den Stühlen hindurch, um sämtliche Brösmeli und die vom Kind in grösster Verachtung vom Hochstuhl katapultierten Rüebli/Kartoffeln/Teigwaren/Brotstücke/Cracker zusammenzuklauben. Das wird mir alles zuviel», jammerte ich meinem Liebsten die Ohren voll, «ständig kleben an meinen Zehen irgendwelche Essensreste, die ich dann in der gesamten Wohnung verteile, was mich nötigt, mehrmals täglich das Kabel unseres uralten Staubsauger-Monsters auszufahren, was allein schon reicht, um beim Kind einen Schreikrampf enormen Ausmasses zu verursachen.»
Mein Liebster schaute mich verständnisvoll an und fuhr umgehend mit mir ins Fachgeschäft unseres Vertrauens. «Einen Handstaubsauger bitte», bat ich den Verkäufer, der mir sofort von sämtlichen ausgestellten Modellen abriet – zu leistungsschwach seien die, den Preis nicht wert, er wolle mir einfach einmal ganz unverbindlich das Beste zeigen, was zur Zeit auf dem Markt sei. Und führte mich zum Porsche aller Staubsauger, dem Dyson V8. Kabellos. Höchste Saugkraft. Mit einem Griff verwandelbar. Leise, leicht und vielseitig einsetzbar. Hygienische Behälterentleerung. Arschteuer. Es war Liebe, ich fühlte es tief in mir drin.
Nun sitze ich zu Hause und streichle verträumt über die grosse Soft-Walze aus weichem Nylongewebe. Mein Baby. Klar, früher hätte ich mir von dem Geld ein paar neue Acne Pistol Boots gegönnt. Oder den zehnten Mantel im Schrank. Oder ein Berlin-Wochenende mit der besten Freundin. Aber hey, Dinge ändern sich. Was ich heute brauche, ist tüchtiges Haushaltsgerät. Abgesehen davon konnte ich einem V8 noch nie widerstehen. Gewisse Dinge ändern sich eben auch nicht…
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Dieser Beitrag wurde am 29. September 2017 um 11:54 veröffentlicht. Er wurde unter Babykram, Kopfkino abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „V8-Baby

  1. Wie erotisch…😉

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