Jahrhundertparty

Ab und an geraten mein Liebster und ich uns in die Haare. Neulich war es wieder soweit. Anlass war der nahende Geburtstag unseres Sohnes. «Was machen wir denn an dem Samstag?», wollte der Mann von mir wissen. «Keine Ahnung», antwortete ich und in mir drin begann es unheilvoll zu rumoren. «Zum Beispiel erledigen wir am Morgen wie gewohnt unseren Wocheneinkauf und unternehmen am Nachmittag was Schönes, um ihm eine Freude zu machen.» «Und was tun wir mit allen Grosseltern, Tanten, Onkeln, Cousinen, Cousins, Gotti und Götti?», bohrte der Mann an meiner Seite weiter. Mir war sonnenklar, wie dieses Gespräch enden würde.
Er liess nicht locker: «Die Familie will doch sicher vorbeikommen und dem Buben gratulieren.» «Schon möglich», raunzte ich, von der Thematik bereits etwas genervt, «aber was zählt, ist ja wohl nicht, was all die Leute wollen, sondern was unserem Buben Spass macht. Und uns nicht über die Massen strapaziert.» «Vielleicht würde er sich über Besuch doch aber freuen…?». Der Mann beisst sich gerne an einem Thema fest. Ich aber auch:
«Wenn alle Personen kommen, die du eben angesprochen hast, inklusive Freunden, Lovern und sonstigen Bekannten, die mal eben kurz vorbeischauen, plus den Nachbarn, die bestimmt auch gerne gratulieren wollen, dann sind wir an besagtem Samstag rund 30 Leute. 30 Leute, die bei uns zu Hause gemütlich Kaffee trinken, später Champagner und noch später Schnäpschen, die Kuchen essen wollen und belegte Brote, eventuell ein paar Knabbernüsschen und gegen eine schöne kalte Platte ist ja auch nichts einzuwenden. Später können wir ja immer noch ein paar Pizzas bestellen – alles ganz unkompliziert. 30 Leute, die in unserem Wohnzimmer Chips verteilen, Fussball spielen, in unserem Schlafzimmer Kunstwerke aus Wasserfarbe herstellen und unser Sofa belagern, um zu gamen, Selfies zu schiessen und Snapchat-Videos zu produzieren.»
Die Diskussion endete damit, dass wir das Thema vertagten und mit roten Köpfen in unterschiedliche Zimmer verschwanden.
Unterdessen haben wir einen prima Kompromiss gefunden. Die Party soll nach dem Mittagsschlaf des Kleinen, also so ab 15 Uhr, im nahegelegenen Park stattfinden. Dort hat’s nämlich einen Spielplatz für die Jugend, die ihre Energie loswerden muss, zudem kann man im Fluss baden und Selfies an der Sonne schiessen. So um 18 Uhr werden wir die Runde dann aufheben und den Buben entspannt ins Bett bringen. Super Sache. Mein Mann formulierte also eine Einladungs-SMS an sämtliche Freunde, Verwandte und Bekannte, die das Jubiläumsfest unseres Sohnes auf keinen Fall verpassen wollen. Die Menschenmasse möge am Samstagnachmittag bitte direkt in den Park kommen.
Das Telefon begann innerhalb kurzer Zeit zu glühen, mit folgendem Ergebnis: Die Grosstante mag wegen ungenügender sanitärer Einrichtungen nicht in den Park kommen – sie besucht uns nun bereits am Vormittag zu Hause. Zwei der sieben Cousins und Cousinen haben an diesem Nachmittag einen Fussballmatch. Der eine kommt daher bereits am Freitagabend vorbei, der andere hat sich am Samstag zum Mittagessen angemeldet – er nimmt seine Mutter und den kleinen Bruder dann gleich mit. Die Oma hat an besagtem Nachmittag einen Termin, kommt daher mit Opa schon um 14 Uhr, aber nur kurz zum Anstossen. Der Götti kann frühestens um 17 Uhr im Park sein, er bleibt dafür gerne noch zum Znacht. Einem der zahlreichen Onkel passt es am Samstag schlecht, er kommt dafür am Sonntag zum Brunch und stellt uns bei dieser Gelegenheit gleich seine neue Freundin vor. Der Sonntagnachmittag gehört dann noch dem Gotti und einer Cousine, die sich für 14 Uhr und 17 Uhr angemeldet haben. Ich denke, am Samstagabend so etwa um 19 Uhr sollte unser Sohn mit der Geburtstags(tor)tour durch sein.
Habe ich schon erwähnt, wie alt er in diesem Jahr wird? Er wird eins. Halleluja.
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Dieser Beitrag wurde am 6. September 2017 um 12:50 veröffentlicht und ist unter Babykram abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „Jahrhundertparty

  1. Benji sagte am :

    Wart’s ab, bis in 2 Jahren noch der Kindergeburtstag dazu kommt. Und dann gibts evtl. mal noch die Eifersucht des Geschwisters. Und niemand will das kleinste Geschenk bringen.

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