Ja, schon, eigentlich, ach.

Seit etwas über einem Jahr glitzert da verheissungsvoll ein Ring an meinem Finger. Andere Menschen würden ob dieser Tatsache frohlocken und umtriebig sofort damit beginnen, Brautmoden-Heftli zu kaufen, nach Hochsteckfrisuren zu googeln, Einladungskarten zu gestalten, Floristen zu verpflichten, Oldtimerfahrer auf der Strasse anzusprechen, Fotografen zu vergleichen, Schlösser zu reservieren, Reden zu schreiben und Gästelisten zusammenzustellen. Ich? Nicht.
Der Gedanke an eine Hochzeit paralysiert mich. Nicht etwa wegen der Heirat an sich. Auch nicht wegen dem Mann, denn wenn ich jemals einen heiraten sollte, dann ihn. Aber der blosse Gedanke an die Organisation eines solchen Events stürzt mich in eine tiefe Krise. Früher sagten wir immer, wir würden in Las Vegas heiraten, nur wir beide und Elvis. Nach der Trauung würden wir uns die Bäuche vollschlagen, alkoholische Getränke konsumieren, unser Vermögen in der Spielhölle verscherbeln und dann vögeln, als gäbe es kein Morgen.
Doch nun ist alles anders. Nun ist da dieses Kind. Unser Kind. Das wollen wir an diesem denkwürdigen Tag natürlich dabei haben. Aber bitte nur dieses Kind, denn ansonsten will ich natürlich eine Party ganz ohne brüllende Blagen auf der Tanzfläche. Eine coole Location soll’s sein, gerne unkonventionell, bitte nicht Schickimicki und Musik natürlich, eine richtige Band mit Kontrabass – ich finde Kontrabassisten enorm sexy (oder sollte ich das in diesem Zusammenhang besser nicht erwähnen? Ach egal…). Jedenfalls will ich kein steifes Nachtessen mit vier Gängen und fester Tischordnung. Und bittebitte keine Spiele.
Doch wie genau lassen sich unsere über siebzigjährigen Eltern in diese Sause integrieren? Und wer genau passt auf den Kleinen auf, während Mutti und Vati die Sau rauslassen? Müssen sozial unverträgliche Onkeln und Tanten eingeladen werden? Und wie steht’s mit entfernten Bekannten, auf deren Hochzeit man selber zwar getanzt hat, die man aber gar nicht unbedingt am eigenen Fest dabei haben möchte? Was tut man mit all den Veganern und Allergikern? Muss man für die Gäste ein Taxi organisieren oder ist es zumutbar, dass die den Weg nach Hause alleine finden? Und was bitteschön, wenn es an diesem Tag in Strömen regnet???
Alle paar Wochen nimmt mein Liebster einen Anlauf für eine Traum-Hochzeits-Diskussion, die immer gleich abläuft: Ich muss sofort eine Flasche Wein öffnen und ganz viel trinken, während ich so viele destruktive Fragen stelle, dass ihm alsbald der Kopf raucht, er resigniert das Handtuch wirft und ins Bett verschwindet. Tja, der Mann hat’s nicht leicht mit mir. Aber was soll ich sagen? Er will mich trotzdem nach wie vor heiraten. Irgendwann mal.
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Dieser Beitrag wurde am 29. April 2017 um 13:50 veröffentlicht. Er wurde unter Kopfkino abgelegt und ist mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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