Jammern und Kotzen

Heute Morgen musste ich mich übergeben. Ich bin aufgestanden, hab geduscht, mir die Haare frisiert, mich geschminkt und angezogen und ein Glas Apfelsaft getrunken. Dann stellte ich mich auf die Terrasse und schaute dem Regen zu und zack, da passierte es. Die Spucke sammelte sich in meinem Mund, ein flaues Gefühl breitete sich im Magen aus und bevor ich meine Beine zum Rennen motivieren konnte, schoss eine Fontäne aus reinstem Saft aus mir heraus. Jetzt Frage: Was ist da passiert?

Es könnte eine Magenverstimmung sein, was jedoch bei meiner robusten Natur eher unwahrscheinlich ist. Ich glaube auch nicht, dass hier Schwangerschaftshormone im Spiel sind. Gestern Abend zu viel gesoffen? Leider nein. Ich habe eine andere Theorie. Es war der Sommer, dieses Arschloch. Seit Monaten seicht es unentwegt, die Sohlen lösen sich bereits von meinen handgenähten Lederschühchen, die Haare kräuseln sich als würden sie im Intimbereich wachsen, meine Motivation für irgendwas geht kontinuierlich den Bach runter, meine gute Laune ist längst ersoffen.

Abwechselnd schifft, nieselt, prasselt, perlt, trieft, fliesst, klatscht, schüttet oder tröpfelt es. Der Himmel variiert zwischen hellgrau und dunkelschwarz und wer das Gefühl hat, es könne ja nun kaum mehr allzu viel Feuchtigkeit dem Weg der Schwerkraft folgen, der irrt. Die Prognosen sind schlecht. Es pisst auch die kommenden Tage und Wochen fröhlich weiter, so prognostizieren es zumindest die Wettermenschen und auch die Wetterfrösche sehen keine Besserung. Es ist dieses Tief, das sich über unseren Köpfen festkrallt und eine irre Freude daran zu haben scheint, uns alle bis zur Verzweiflung einzunässen.

Ich möchte an der Sonne liegen und im Fluss schwimmen. Würste braten und Blumen pflücken. Frohlocken und Jubilieren. Nichts von alledem war bisher möglich. Es ist zum Schreien. Zum Heulen. Zum Fluchen. Oder eben: zum Kotzen. Aber klar, ich kann mir hier einen Wolf jammern, am Wetter ändert das natürlich nichts. Bloss: worüber soll ich denn sonst schreiben, wenn nicht über das Thema, das zur Zeit die gesamten Schweiz enerviert? Über Fussball vielleicht? Allein beim Gedanken daran spüre ich, wie sich eine unheilvolle Masse an Speichel in meinem Mund vereint und im Magen wird mir flau…

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Dieser Beitrag wurde am 15. Juni 2016 um 17:25 veröffentlicht. Er wurde unter Kopfkino abgelegt und ist mit , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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