Süsse Melancholie

Für jemanden, der den Sommer so liebt wie ich, ist der Herbst immer mit viel Wehmut verbunden. Unterdessen habe ich aber einige Strategien entwickelt, um nicht bereits im November in eine Depression zu verfallen: Ich drehe die Radiatoren auf, bis sie mir sommerliche Temperaturen bescheren. Ich trinke Entspannungs-Tee in unentspannend harntreibenden Mengen. Ich liege lesend in der Badewanne bis ich aussehe wie eine Wasserleiche. Ich zünde meine Duftlampe an, die seit einigen Wochen ausschliesslich «Lebensfreude» verdampft und Kerzen. Viele, viele Kerzen. Aber am allerwichtigsten ist in den kalten, dunklen Monaten natürlich die Musik.
Was beschert mir der Herbst doch immer wieder für wunderschöne, intime Konzerte! Erst kürzlich hörte ich in Zürich eine Künstlerin, die mich bereits seit einigen Jahren begleitet; Tina Dico. Es brauchte nicht mehr als drei Akkorde und Freudentränen liefen über mein Gesicht, ganze zwei Stunden lang. Ja, der Herbst ist auch die Zeit, in der die Emotionen hin und wieder an mir rütteln wie der Wind an den Fensterläden. Da rotze ich vor dem TV in die Kuscheldecke, wenn der sanfte Schweinebauer Karlheinz in der rüstigen Frührentnerin Roswitha seine grosse Liebe findet. Da kommt mir das Augenwasser, wenn kleine Kinder singend und Laternen schwingend um die Häuser ziehen.
Ach, Herbst, du Zeit der Ruhe und der inneren Einkehr. Eigentlich liebe ich dich ja sehr. Wenn nur nicht nach dir der Winter kommen würde, der blöde Arsch. Denn meistens habe ich von der Melancholie bereits Anfangs Januar die Schnauze voll und wäre dann bereits wieder lustig für Grillpartys und Sprünge in den kalten Rhein. Nun, mit diesen Aktivitäten ist es definitiv noch eine Weile hin. Also konzentriere ich mich die folgenden Monate darauf, der Wärme nach zu kriechen und neue Musik zu entdecken. Musik, die berührt, die glücklich macht oder traurig oder beides. Schönes Melodien, Akkorde und Stimmen fürs Herz. Und vielleicht schaffe ich es überdies, meine eigenen Gitarrenkünste mal wieder ein wenig aufzupolieren. Mal sehn. Aber zuerst lausche ich noch ein wenig der wunderbaren Stimme meiner Lieblings-Tina…

und der begnateten Krystle…

und den harmonischen Civil Wars

Bild: © 9comeback – Fotolia.com

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Dieser Beitrag wurde am 20. November 2014 um 15:17 veröffentlicht. Er wurde unter Aufgefallen abgelegt und ist mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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