Tagtraum

Als ich heute kurz wegen einem auswärtigen Auftrag aus dem Büro musste und mir unterwegs die Sonnenstrahlen in der Nase kitzelten und mein Cabrio friedlich unter meinem Hintern schnurrte, da überkam mich das dringende Bedürfnis, rechts, anstatt links abzubiegen, auf die Autobahn zuzusteuern und in Richtung Meer abzuhauen. Ich wollte das Dach aufklappen, laut zu «Don’t stop me now» von Queen oder zu «Road Trippin» von den Red Hot Chili Peppers mitsingen, den Wind meine Frisur zerstören lassen und dieses Gefühl von Freiheit spüren, wie ich es nur kenne von diesen zauberhaften Automomenten, in denen die Strasse unter mir hinweg- und Landschaften an mir vorbeiziehen.
Ich stellte mir vor, wie ich in wenigen Stunden bereits in Südfrankreich mit alten Franzosen Pastis trinken und ihnen beim Pétanque zusehen würde. Dass ich vor dem Schlafengehen noch ein Bad in den Wellen nehmen und morgen früh den Sonnenaufgang erleben könnte. Ich würde mein Telefon ausschalten und komplett offline sein. Nur mein Auto, die Strasse, der Duft von Zypressen und ich. Im Büro täte man sich irgendwann fragen, wo ich wohl bleibe. Mein Chef würde spätestens am Abend, wenn mein Platz an der Konferenz leer bleibt, versuchen mich telefonisch zu erreichen. Mein Liebster könnte vor Sorgen nicht schlafen, er würde meine Eltern, meine Schwester und meine Freunde kontaktieren und niemand würde wissen, wo ich bin und was mit mir los ist. Vielleicht würde die Polizei alarmiert werden und weil nirgendwo eine Spur von mir zu finden wäre und ich längst in Saint Tropez an der Sonne läge, käme vielleicht irgendwann Interpol ins Spiel.
Bevor ich meinen Tagtraum zu Ende träumen konnte, fand ich mich auf dem Parkplatz vor dem Büro wieder. Ich mag ja sowieso keinen Pastis, dachte ich, und morgen früh hab ich doch bereits das nächste Meeting und Tags darauf eine Verabredung und dann noch einen Termin. Dennoch. Irgendwann bin ich einfach weg. Träume wollen schliesslich gelebt werden.

 Bild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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Dieser Beitrag wurde am 10. September 2014 um 14:50 veröffentlicht. Er wurde unter Falten, Speck & graue Haare abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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