Zigarette. Jetzt. Sofort.

Raucher wissen: Es gibt Momente, die verlangen unwiderruflich nach einer Zigarette. Ohne geht nicht. Das Leben wäre nicht lebenswert, wenn man nicht genau in diesem Augenblick eine Fluppe anzünden dürfte. Nun habe ich ja unlängst die Zigaretten gegen Gummibärchen und Pralinen eingetauscht und bin seit vier Monaten nicht mehr von Nikotin-, dafür hochgradig von Zucker abhängig. Aber diese Momente, diese wunderschönen Rauchermomente, die sind mir nach wie vor präsent.
Kürzlich hatte ich einen solchen Zigarettenmoment in Prag. Dazu muss man sagen: In Prag wird in Restaurants und Bars noch geraucht und zwar leidenschaftlich und voller Überzeugung. Die Tschechen halten nichts von Rauchprävention und sämtliche Gesundheitswarnungen scheinen an ihnen spurlos vorbeizuziehen. Vor einigen Monaten hätte mir das ja noch ein «Halleluja» entlockt, heute muss ich der elenden Versuchung mit gerümpfter Nase ins Auge blicken.
Da sass ich also in dieser herrlich verrauchten, trashigen Bar im schummrigen Rotlicht und nippte an meinem Mojito. Rundherum qualmten die Gäste und tranken und hatten Spass. Herrlich wäre das gewesen, hätte ich doch nur auch kettenrauchen dürfen. Doch so verdunkelte sich meine Stimmung zusehends, ich wurde wortkarg und schnupperte säuerlich angewidert an dem von meinem Liebsten mir ins Gesicht gehauchten Rauch. Und dann geschah es: In meinem Gehirn brannte die Nichtraucher-Sicherung durch. Alles in mir schrie: Zigarette! Jetzt! Sofort!
Umgehend warf ich sämtliche Vorsätze und Bedenken über Bord und forderte von meinem Gegenüber eine Zigarette ein und zwar zackzack. Ich stiess natürlich auf taube Ohren, doch mit ein paar gezielten Tiefschlägen, dorthin, wo’s richtig weh tut, gab sich mein Lieblingsraucher geschlagen und schob mir kleinlaut die Zigaretten samt Feuerzeug über den Tisch. Anzünden sollte ich sie selber, dafür wollte er nicht verantwortlich sein. Kein Problem, denn selber eine Zigi anzünden ist mit etwas vom Schönsten am Rauchen.
So sass ich dann also da, in dieser Bar, und zog an einer tschechischen Marlboro light. Ein Mal. Dann noch einmal. Und auch noch ein drittes Mal. Dann war ich mir hundert Prozent sicher: Das ist wirklich saumässig hässlich, dieses Rauchen. Grauenhaft. Übel. Buääääh. Zigarette ausgedrückt. Geheilt. Danke, Prag!

Bild: Chapeau Rouge, Jakubská 2, Prag

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Dieser Beitrag wurde am 30. April 2014 um 01:00 veröffentlicht. Er wurde unter Falten, Speck & graue Haare, Menschenskind abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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