Pfui, wäh.

Ich war zu Silvester in Barcelona. Fünf Tage lang habe ich krampfhaft nach dem Charme dieser Stadt gesucht. Ich habe mich gemeinsam mit tausend Leuten durch fürchterlich enge, dunkle, nach Scheisse stinkende Gassen gequetscht, mich unterirdisch von einem ghettoiden Quartier ins nächste karren lassen. Und immer wieder habe ich mich in Strassenzügen wieder gefunden, an denen ein rostiger Metall-Rollladen auf den nächsten folgte. Ein Zeichen dafür, dass der Schuhladen, die Bar oder die Brockenstube hinter dem Rollo gerade Siesta hatte. Oder dass die Besitzer sich im Streik befanden. Oder dass das Haus in den nächsten Tagen abgerissen werden sollte – so genau konnte ich das bei der heruntergekommenen Bausubstanz nicht erkennen.
Nicht einmal die Sagrada Familia inspirierte mich, diese enorme Basilika, die seit über 130 Jahren im Bau ist und immer noch nicht fertig. Die spinnen doch, die Katalanen, habe ich mir fünf Tage lang gedacht und selbst mit dem herrlichsten Rotwein konnte ich mir diese Stadt nicht schön saufen. Die Krönung der Verwirrung wurde mir am Silvesterabend im Rahmen eines katalanischen Menüs serviert. Ich, die ich noch nicht mal eine Crevette ohne Würgereiz essen kann, habe in eine frittierte See-Anemone gebissen, eine Auster ausgeschlabbert, eine halbe Seegurke verspeist und das mit Kaviar dekorierte Mark aus einem riesigen halbierten Knochen gelöffelt. Natürlich hatte ich mir zuvor bereits reichlich Mut angetrunken und mir den Neujahrs-Vorsatz gefasst: Ich will mich vermehrt an Experimente wagen.
Nachdem ich zum Schluss der kulinarischen Reise noch einen panierten Kuhschwanz verspeist hatte, dachte ich mir: Schlimmer kommt’s nimmer und nahm mir ein ganz spezielles Experiment vor: Ich hörte mit dem Rauchen auf. Seither bin ich übellaunig und dünnhäutig. Wehe dem, der hier einen Kommentar hinterlässt. In diesem Sinne: Frohes Neues.
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Dieser Beitrag wurde am 7. Januar 2014 um 14:56 veröffentlicht. Er wurde unter Menschenskind abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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