Du mich auch.

Ich werde komisch angeguckt, wenn ich ohne Helm Fahrrad fahre. Wenn ich besoffen bin, darf ich überhaupt nicht Fahrradfahren, auch mit Helm nicht. Autofahren darf ich dann auch nicht. Und mitfahren nur auf dem Rücksitz. Wenn ich mich dann aber nicht anschnalle, werde ich gebüsst. Im Tram darf ich nicht essen, am Arbeitsplatz auch nicht. Ist strikte verboten, auch wenn’s niemand kontrolliert. Nach zehn Uhr darf ich abends auf der Strasse nicht mehr laut lachen und ich darf nicht mit fremden Männern nach Hause gehen, hat Mutti immer gesagt.
Das allerschlimmste aber ist:  Ich darf nicht mehr rauchen. In Bars nicht, in Clubs nicht und sogar auf Restaurant-Terrassen und auf der Strasse schnauzen mich militante Gesundheitsfanatiker unterdessen an. Friedliebend wie ich bin, füge ich mich dem Gesundheits-Diktat kleinlaut, im Wissen darum, dass Rauchen ja auch wirklich pfui und böseböse ist. Nur, zu Hause, da rauche ich genüsslich auf meinem Balkon. Aber auch dort werde ich neuerdings angefeindet, weil mein neuer Nachbar von oben den Rauch, den es offenbar durch seine stets geöffneten Fenster in seine Wohnung zieht, nicht erträgt. Ich sei Kettenraucherin, wirft er mir vor, er habe meinen vollen Aschenbecher von oben inspiziert, das sei ja nicht normal und er werde das der Liegenschaftsverwaltung melden.
Nun, ich bin wirklich ein sehr angepasster, ausgeglichener und höflicher Mensch. Aber auch meine Geduld hat ihre Grenzen. Deshalb musste ich bei meinem Nachbarn, als er kürzlich an einem schönen Samstagabend nach zwei Zügen meiner an diesem Tag ersten Zigarette erneut vom Balkon herunterplärrte, etwas klarstellen. Ich musste ihm sagen, dass mir seine scheissverfickte Bevormundungskacke mordsmässig auf den Sack geht, dass er verdammtnochmal seine bepissten Fenster schliessen und mich mit seinem psychotischen Arschgesicht  in Ruhe lassen soll, dass Typen wie er die Pest sind und dass mich sein Drecks-Genörgel durchaus ebenso belästigt wie ihn mein Rauch. Seither spricht mein Nachbar nicht mehr mit mir.
Ich ziehe an meiner Zigarette, atme den Rauch durch die Nase und denke zufrieden: Ziel erreicht.

Bild: © goenz / photocase.de

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Dieser Beitrag wurde am 28. September 2013 um 14:13 veröffentlicht. Er wurde unter Menschenskind abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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