Öde Oden

Manchmal kommt man nicht darum herum, sich eine Ode anzuhören. In jungen Jahren waren es die Oden von Mitschülerinnen, die freizügig über unfaire Mathelehrer, Menstruationsbeschwerden oder (im besten Fall) die ersten sexuellen Kontakte plapperten. Und natürlich über die damit zusammenhängende unbändige Müdigkeit. Später dann hörte ich mir stundenlang die Ausführungen von jungen Militärdienst-Absolventen an, die in Endlosschleife über Biergelage und furzende Kompanie-Kollegen inklusive akutem Schlafmangel schwadronierten.
Heute sind es die Oden junger Mütter. Vom Wunder werdenden Lebens bis hin zu den detaillierten Ausführungen zu den Verdauungs- und Ausscheidungsorganen – ich kenne mich mittlerweile bestens aus. Ich bin bis dato durch neun Schwangerschaften, neun  Geburten, neun Büüchliweh-Phasen und neun Zahni-Phasen gegangen. Ich habe neun Babys in den Armen gehalten, pupupu und düdüdü gemacht, die Fingerchen gestreichelt und den Müttern versichert, dass es Schöneres auf dieser Erde wirklich nicht gebe. Ich habe neun Geschenke für Mutter und Kind gekauft – eine nicht unwesentliche Investition, wenn man bedenkt dass davor in den meisten Fällen noch die Hochzeitsgeschenke kamen  – und das alles, obwohl ich mit Babys nicht das Geringste anfangen kann, ganz im Gegenteil, sie gehen mir auf den Sack.
Doch ich habe gelernt mit leicht geneigtem Kopf dazusitzen, zu lächeln, mein Gähnen zu unterdrücken, hin und wieder weise zu nicken und interessierte Geräusche von mir zu geben. Gedanklich befinde ich mich während den mütterlichen Monologen meist längst im Bett. Manchmal sogar, ich gebe es zu, in eng verknoteter Stellung mit meinem Liebsten – natürlich auf lückenlose Verhütung achtend. Hin und wieder lege ich mir gedanklich auch bereits das Outfit für den nächsten Tag bereit. Doch von all dem bekommen die hingebungsvollen Muttertiere in der Regel nichts mit. Vermutlich, weil sie vor lauter Hormonen nicht in der Lage sind, einem anderen Lebewesen ausser dem eigenen Beachtung zu schenken. Ich weiss es nicht. Vielleicht sind sie, wie die Teenie-Mädchen und die Rekruten früher, auch einfach nur zu müde. Was mich zum Fazit bringt: Wenn man zu müde zum Reden bist, sollte man es vielleicht besser bleiben lassen.

Bild: © pollography / photocase.de

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Dieser Beitrag wurde am 28. September 2013 um 13:43 veröffentlicht. Er wurde unter Babykram, Menschenskind abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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