Lustiglustigtrallalallala

Neulich war ich für ein paar Monate in einem Chor. Ich singe gerne, auch wenn ich zugegebenermassen bei Volumen und Umfang einige Mankos aufweise. Ich liebe Musik, ich kann meine Tonlage halten und ich bin motiviert. In meiner Jugend war ich einige Jahre in einer Band, doch das möchte ich nun eben nicht mehr – die Reisen, das ewige Warten, das Schlagzeug-Schleppen und noch schlimmer; der Soundcheck, bäm, bäm, bäm, bäm, tschik, tschik, tschik, tschik, bumm, bumm, bumm, bumm – nein danke. Zudem mag ich nicht mehr im Mittelpunkt stehen und, wenn überhaupt, gerne vor Mitternacht auftreten und auch wieder heimkommen. Also Chor.

Nun war es aber so, dass ich gerade in diesem Chor herausstach wie ein bunter Hund. Es schien, als wäre Singen das Hobby sämtlicher stilfreien, farb- und humorlosen Menschen der Region. Während wir mässig eins ‘die Gedanken sind frei’ trällerten, waren meine Gedanken dermassen frei, dass ich mich für sie schämte. Dieser Chor schien ganz offensichtlich eine Ansammlung von Menschen mit schwieriger Biografie zu sein. Fröhlichkeit kam nur im Allegro zum Ausdruck, nach dem letzten Ton gingen die Mundwinkel nach unter und die Schultern kippten nach vorn. Grundstimmung Largo.

Ich hatte mir vorgestellt, gemeinsam allegorische Höhen zu ersingen und danach fröhlich einen zu kippen. Die Tatsache war: Wir fanden nur selten gemeinsam den richtigen Ton und schon gar kein einheitliches Tempo und in der Pause wurden vegane Dinkelkekste genascht (selbstgebacken!) und zu Hause vorbereitete Apfelschnitze kredenzt. Da war viel Filz und Wolle und so gar kein Rock’n’Roll. Ich wusste nicht, was ich mit den Leuten hätte reden sollen und sie wussten mit mir nix anzufangen. Ich war die Discokugel im Teppichladen, das Negligé im Bestattungsunternehmen. Meinen Austritt gab ich vor dem ersten Auftritt. Welche Erleichterung!

Mein Fazit? Mein Liebster nannte mich während dieses Chor-Intermezzos ‘Spatz von Avignon’. Allein dafür hat sich das Ganze gelohnt. Oder etwa nicht?

Dieser Beitrag wurde am 5. März 2022 um 22:03 veröffentlicht. Er wurde unter Menschenskind abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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